„Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn erst nach dem Tod Gerechtigkeit käme …“

so beginnt ein Text von Kurt Marti mit der Überschrift „Anderes Osterlied“. Marti macht damit in seiner ganz besonderen und manchmal wunderbar kantigen Poesie darauf aufmerksam, dass die Auferstehung lange Zeit als Vertröstung auf ein Jenseits missbraucht wurde, um an den Strukturen und Verhältnissen in dieser Welt nichts ändern zu müssen.
Die Reichen und Mächtigen finden es meistens recht gut, wie es ist. Und so hielt das Wunder der Auferstehung
her, um die murrenden Massen derer zu beschwichtigen, die in Armut und Unrecht lebten. Aber so ist Auferstehung eben gerade nicht. Da hat Kurt Marti vollkommen recht! Alles beginnt ja damit, dass Gott Mensch wird, dass sein Sohn
einer von uns wird und uns vorlebt, wie es sein könnte, wenn Menschen ernst machen mit der Liebe zu allem was lebt.
Und es endet dann vorläufig nicht in Glanz und Gloria, sondern am Kreuz, mit dem Verbrechertod eines völlig Unschuldigen. Aber – das könnte den Herren der Welt ja so passen, dass es dabei bliebe, dass Gottes Liebe und Gnade nicht stärker wären als alle Gewalt und alles Unrecht. Und von hier aus begreifen wir dann,
was an Ostern Wunderbares und Überwältigendes geschah: die Liebe hat ein für allemal das Unrecht besiegt.
Und wir haben Gottes Heiligen Geist an unserer Seite, um dies nun umzusetzen Schritt für Schritt für alle
Welt – auf Oster-Friedensmärschen, auf unseren ganz eigenen Wegen der Nachfolge, auf den Wegen, die Gemeinden und Gemeinschaften für sich finden. Die Liebe hat den Tod besiegt. Keiner muss mehr Angst haben. Und manchmal scheint mir, dies muss auch und gerade den Herren der Welt gepredigt werden. Damit sie keine
Angst mehr haben, loszulassen, abzugeben, zu teilen.
Pn. Dr. Sybille C. Fritsch-Oppermann,
Beauftragte des Kirchenkreises Harzer
Land für Tourismus, Kultur und
Öffentlichkeitsarbeit in der Region
Oberharz