Nicht nur zur Weihnachtszeit…

Nostalghia

…habe ich zum ersten Mal in den 80er Jahren im Frankfurter Kultkino „Harmonie“ gesehen. Seither hat mich dieser Film von Andrei Tarkowsky, den wir in der Reihe kirchenkunststückchen kirchemachtsinn II am 31.8. in der Kinonacht der Kulturkirche St. Salvatoris Zellerfeld zeigten, nicht mehr losgelassen. Die Zellerfelder Kirche St. Salvatoris ist dunkel, vereinzelt Kerzenlicht, hinten noch zur Stärkung aufgebaut Wein und Wasser, Brot und Käse. Hin und wieder geht einer der Zuschauer leise dorthin und holt sich ein Glas Wein oder ein Stück Brot. Klänge von Debussy, Wagner, Beethoven, Verdi und Mussorgski füllen den Raum und knüpfen an die kurze Orgelmeditation zu Beginn des Abends an. Die Leinwand ist vor dem Altar­Tryptichon von Werner Tübke aufgebaut, dieses nimmt den Film quasi in weit geöffnete Arme. Mein Blick schweift in der Kirche umher und ihre hohen mächtigen Säulen scheinen in die nun auf der Leinwand sichtbar werdenden Säulen einer Klosterruine überzugehen. Dichter können Kirche und Kino, Kirche und Kunst nicht aufeinandertreffen, sich nicht aus­tauschen. Sinnlicher können Menschen nicht erleben, was es bedeutet, der Heimatlosigkeit entfliehen zu wollen und statt der alten und nicht mehr gewissen eine neue Heimat und neue Horizonte zu entdecken. In den Kirchen dieser Welt, in den Kirchen im Oberharz wird es Weihnacht. Die Sehnsucht des Advent wird, wie alle Jahre wieder, in die Heimat von Gottes unendlicher, unbegreifbarer und teuer erkaufter Liebe münden. Dies zu erfahren, wünsche ich Ihnen. Die Schönheit und Macht und Reinheit und Unendlichkeit der Liebe zu erfahren, das wünsche ich allen Menschen auf der Welt nicht nur den Christen nicht nur zur Weihnachtszeit.

Pn. Dr. Sybille C. Fritsch-Oppermann Beauftragte des Kirchenkreises Harzer Land für Tourismus, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit in der Region Oberharz