Zur Hoffnung befreit…

Liebe Leserinnen und Leser aus den Gemeinden der Region Oberharz und von nah und fern, am Vorabend des
Pessachfestes saß Jesus mit seinen Jüngern zusammen. Pessach, das die jüdischen Geschwister in diesem Jahr, nach dem Mondkalender vom 19.-27.4., also ab Freitagabend, dem Sederabend, feiern, heißt übersetzt in etwa „vorübergehen“, „auslassen“. Juden gedenken an diesem Fest daran, dass ihre Häuser ausgelassen wurden, als Gott Adonai die Ägypter so schwer heimsuchte. Am Vorabend des wichtigen Pessach-Festes waren schon viele nach Jerusalem gekommen, zu ihren Familien, um es in der Nähe des zweiten Tempels zu begehen. Christen und Christinnen auf der
ganzen Welt erinnern sich bereits am Gründonnerstag an diesen letzten Abend, den Jesus gemeinsam mit den Jüngern verbrachte. Und so verbindet sie gerade dieser Abend mit dem frommen Juden Jesus, der für uns Nichtjuden der Christus wurde. Wir Christen denken dabei an das Abendmahl. Die Jünger werden zum Zubereiten des Pessachlammes an
einen bestimmten Ort in der Hauptstadt geschickt. Judas verrät Jesus. Die Passion beginnt. Und Jesus, der das weiß, übernimmt an diesem Abend die Rolle des jüdischen Hausvaters, der die Mazzot nimmt und dankt und bricht. Zeichen
des Exodus, des Aufbruchs und Neubeginns. Zeichen der Hoffnung – trotz alledem. Jesus deutet wohl an – letzte Gewissheit haben wir historisch darüber nicht, aber es ist Teil unseres Glaubens -, dass so auch sein Leib für viele gegeben wird und sein Blut für viele vergossen. Auch in der Jerusalemer Urgemeinde der Christen wurde ein Mahl zur Erinnerung an Jesu Tod und Auferstehung gefeiert und sollte auf seine Wiederkunft vorbereiten. Zunächst verbunden mit Sättigungsmahl und Armenspeisung…meistens am Sonntagabend. Agapemahl und Abendmahl gehörten zusammen. Heil und Heilung, geistliche und leibliche Nahrung in der wunderbaren Befreiungserfahrung nicht zu trennen und für die ganze Welt ersehnt. Lassen Sie uns dieses Jahr zu Ostern besonders daran erinnern, dass jederzeit etwas Wunderbares geschehen kann. Wenn wir nur offen bleiben für Gottes Kommen und seinen Geist wehen lassen, wo der will. Leben ist unverfügbar und zerbrechlich und! wunderbar! Es gibt immer mehr als das, was wir kennen. Lasst uns in Bewegung bleiben! Wir sind zur Hoffnung befreit. In Gottes Liebe und durch Jesu Geburt und Leben, Tod und Auferstehung… eine Befreiung, die trägt.
Amen! Das sei gewisslich wahr.

Pn. Dr. Sybille C. Fritsch-Oppermann
Beauftragte des Kirchenkreises Harzer Land
für Tourismus, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit
in der Region Oberharz

Foto: Thomas Block