Umkehr zum Leben

Auch im Herbst liegen viele wichtige kirchliche Feiertage an – ich denke da nur einmal an den Reformationstag und den Buß- und Bettag. So haben wir Zeit – und dies nicht nur in Sachen Klimawandel – darüber nachzudenken, was verkehrt läuft in unserer Welt und in unseren Gemeinschaften. Und wie wir umkehren können, bevor es zu spät ist. Im Brief des Paulus an die Galather (Gal 6,2) lesen wir: Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
Nehmen wir einmal nur den ersten Teil dieses Satzes, den Paulus seiner Gemeinde in Galatien schreibt: Das ist ja weltfremde Spinnerei. Also wirklich. Und doch… Wenn ich ganz ehrlich in mich hineinhöre, ist das auch ein wunderschöner Traum. Wahrscheinlich sogar ein Traum, den ich mit vielen, wenn nicht sogar mit allen Menschen auf dieser Welt teile. Was ist es dann, dass uns alle immer wieder so handeln lässt, als sei es das Wichtigste, besser zu sein, mehr zu haben, zu siegen, andere herunterzumachen?

Das menschliche Verhängnis ist wohl, dass wir, statt unsere Freiheit, unsere Schönheit, unsere Stärke zu lieben und zu genießen und zu vermehren – sie ängstlich hüten, gegeneinander ausspielen, ganz für uns allein haben wollen. Aber wenn wir doch alle Gottes Ebenbilder sind und bleiben, dann sind wir doch nur gemeinsam wirklich frei, wirklich schön, wirklich stark. Bitte nicht falsch verstehen: ich wünsche mir in Gottes Namen keine Gleichmacherei, viel eher die Freude an den Verschiedenheiten, keine Symbiose, viel eher die Einheit in der Vielfalt. Ich bin weder blauäugig noch menschenverachtend. Aber der Name, der im zweiten Teil des Satzes von Paulus steht, der lässt mich hoffen, dass es so etwas gibt wie einen liebevollen Realismus, der lässt mich ahnen, dass es einen guten Grund hat, teilzunehmen an dem, was die Welt bewegt. Und der lässt mich glauben – und so auch wissen –, dass wir es schaffen können, diese Welt und Gottes Schöpfung doch noch zu retten.

Pn. Dr. Sybille C. Fritsch-Oppermann
Beauftragte für Tourismus,
Kultur und Öffentlichkeitsarbeit
in der Region Oberharz
KK Harzer Land/LK Hannovers