„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“

Im März sind die Tage noch relativ kurz, aber in ihnen riecht man schon das Wunder des Frühlings und empfindet
die zunehmende Tageslänge und Helligkeit. Und wie wunderbar die Morgendämmerung am letzten Schneehimmel und die Kristalle in den Bäumen und Sträuchern. Und wie schön, dass es im Oberharz ein wenig länger so bleibt als im Tal. Da atmet alles Unberührtheit, weiß und silbrig und rosafarben und hellblau und federleicht – Freude und Licht. Die Welt geht auf Zehenspitzen. Es ist als währten wir mit ihr schon ewig und könnten sie doch – vielleicht – immer wieder neu erfinden…. Im Licht zu leben heißt, eine Heimat zu haben. Sinn zu machen und gebraucht zu werden und ein Ziel zu haben. Und manchmal muss man auch, um eine Heimat zu finden, Grenzen durchbrechen. Etwas Neues, Ungewöhnliches versuchen. Dann ist es gut, wenn Menschen da sind, die zu uns halten, auch wenn die anderen den Kopf schütteln. Manchmal merken Menschen dann, dass sie Fische
sind, die fliegen können – dass sie Begabungen haben, die ihnen immer alle ausgeredet haManchmal wird auch zur Salzsäule, wer zu sehr zurückblickt – auch wenn die Vergangenheit etwas ist, das zu uns gehört. Wie Abraham müssen Menschen manchmal die alte Heimat hinter sich lassen, die irgendwann zu einem Gefängnis wurde. Sie müssen sich aufmachen zu neuen Ufern und dann ist vielleicht das Licht, das sie suchen oder das sie werden, für eine Zeit die einzige Heimat, die sie haben. Und wenn sie auf diesem Weg immer wieder über die Vergangenheit grübeln, ob sie das Richtige tun, kann es ihnen gehen wie Lot. Sie erstarren dann ganz.
In jedem Anfang, auch dem noch so schweren, wohnt ein Zauber. Und mit Gottes Hilfe können wir ihn erkennen.
Mit den ersten Zeilen eines wunderschönen Gedichtes von Hermann Hesse wünsche ich Ihnen, wünsche ich uns allen – nicht nur auf dem Weg zu einem neuen Regionalpfarramt – dass wir uns Neuanfängen hingeben und uns auch von ihnen verzaubern lassen:

„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“