Online-Reihe: Teil 6

Zum Tag der Erde am 22.4.2020:
Natur und Kultur sind eins
Naturwissenschaften, Kunst und Natur sind keine getrennten Bereiche, meint der Biologe Brian Goodwin. In der knapp vier Milliarden Jahre langen Evolution hat sich ein Wissen und eine Erfahrung im Umgang mit dem Leben abgelagert, von denen der Mensch lernen könnte und müsste.
(https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/gesellschaft-natur-und-kultur-sind-eins-a-580513.html
12.10.2008)

Ihr Lieben,
wie schon geschrieben, will ich initiieren, dass an jedem Freitag/für jeden Freitag anstelle der nun erst einmal ausfallenden Kultur-Kirche-Veranstaltungen freitags bei uns im oberharz eine Rundmail an alle Interessierten mit kleinen Betrachtungen und konkreten Vorschlägen für Lektüre, Sendungen in Fernsehen und Rundfunk oder eben auch virtuellen Konzert-, Theater- und Museumsbesuchen geht.
Später könnte es dazu dann einen Chatroom geben oder einen Blog oderoderoder – und einzelne der Empfänger zu Sendern werden. Ich muss das nicht jedes Mal selber machen…und habe auch schon zwei wunderbare Anmeldungen für die Sendungen 7 und 8. Lasst Euch/lassen Sie sich überraschen. Einige fragen, was in der letzten Woche war: nach den unendlich vielen kreativen Streams und Mails und Aktionen über Ostern, die bei mir ankamen, habe ich spontan beschlossen, eine Woche „E-MAIL-FASTEN“ einzulegen. Aber jetzt geht es wieder weiter. Ab Mai/Juni dann u.U. in neuem Format und nur noch ein oder zweimal monatlich – wir sehen das. Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass alles, was gut und schön an diesem Versuch ist, auch in Zeiten, in denen unser Leben wieder (fast) normal sein wird, Bestand hat.

Ich verschicke diese Rundsendungen inzwischen an ca. 150 Personen, und über den Kirchenkreis gelangen sie dann nochmals an Pastoren und Pastorinnen sowie Mitarbeiterinnen – auch in stattlicher Zahl. Durch Weitergabe wächst der Kreis ständig, und ich bekomme Zuschriften und Vorschläge aus ganz Deutschland bzw. dem deutschsprachigen Raum.
In dieser Woche verlinken wir uns mit dem Europahaus Burgenland mit Sitz in Eisenstadt in Österreich. Die von mir geleitete Kulturkirche Zellerfeld im Oberharz und das Europahaus arbeiten schon seit längerem Ideen schmiedend zusammen. Mehr aber später

Heute – am UNESCO Welttag des Buches übrigens – kommt die sechste Sammelmail. Ich schicke diese Mails natürlich in jeweils anonymisierter Form an die recht großen Verteiler
*Ihr könnt sie weiterhin gern weiterschicken und mit anderen teilen.
*Wenn Ihr mir mitteilt, dass Ihr diese Mails nicht mehr haben wollt, nehme ich Euch/Sie natürlich aus dem Verteiler heraus.
*Auch ein Blick auf die Homepage kirche-kultur-oberharz.de könnte interessant sein.

Für den 24.4. und Wochenende nun einige Gedanken zum Thema
Natur und Kultur

Im Europahaus Burgenland Akademie Pannonien gab es ein längeres Projekt zum Thema „Nicht auf der Erde lasten“ – auf den „Tag der Erde“ am 22.4.2020 hin ausgelegt.
Helga Kuzmits und Hans Göttel dort vor Ort schreiben dazu:
im Rahmen unseres Projektes „Nicht auf der Erde lasten“ zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen haben wir in Kooperation mit Ilse Hirschmann, werkstätte für kunst im leben, einen Aufruf zum HomePainting und HomeWriting zum Internationalen Tag der Erde gestartet. Wir möchten uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die zahlreichen Einsendungen bedanken.

Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen…

„Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (englisch Sustainable Development Goals, SDGs; französisch Objectifs de développement durable) sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen (UN)., welche weltweit der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen.[1] Sie wurden in Anlehnung an den Entwicklungsprozess der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) entworfen und traten am 1. Januar 2016 mit einer Laufzeit von 15 Jahren (bis 2030) in Kraft.[2] Im Unterschied zu den MDGs, die insbesondere Entwicklungsländern galten, gelten die SDGs für alle Staaten.“
(Wikipedia Artikel „Ziele für nachhaltige Entwicklung“)

Es wird u.a. deutlich, dass Naturschutz und Kulturschutz, Ziele des Klimaschutzes und der Menschenrechte nicht gegeneinander auszuspielen sind.
Mir kommt die Kunst in ihrer Systemrelevanz ein wenig zu kurz, und so möchte ich ergänzen:
Kunst und ! Natur werden gebraucht für ein menschen- und schöpfungswürdiges Überleben aller Seienden und alles Seienden.
Kunst und Natur, Kultur und Naturwissenschaft ergänzen sich im besten Fall, christlich gesprochen, als Aufgaben guter Haushalterschaft, die Gott den Menschen zuspricht, zusagt und aufgibt.

Natur und Kultur sind eins
„Naturwissenschaften, Kunst und Natur sind keine getrennten Bereiche, meint der Biologe Brian Goodwin. In der knapp vier Milliarden Jahre langen Evolution hat sich ein Wissen und eine Erfahrung im Umgang mit dem Leben abgelagert, von denen der Mensch lernen könnte und müsste.
(Die Internetzeitschrift „Edge“ versammelt in einer legendären Serie Beiträge der renommiertesten Wissenschaftler der Welt – und stellt ihnen unter anderem die Frage: Was halten Sie für wahr, ohne es beweisen zu können? SPIEGEL ONLINE präsentiert ausgewählte Antworten.)“
(Obiges Zitat und nachfolgende Zitate aus: https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/gesellschaft-natur-und-kultur-sind-eins-a-580513.html
12.10.2008)

„Ich glaube, dass man Natur und Kultur als einen großen Gesamtvorgang verstehen kann, und nicht als zwei durch irgendeine Eigenschaft des Menschen wie die Sprache, das Bewusstsein oder die Ethik voneinander getrennte Sphären.
Zwar haben wir dafür bisher weder Beweise noch einen wissenschaftlichen Konsens, aber die Entdeckungen der letzten Jahre dienen als Fundament für weitere empirische und theoretische Studien, die meiner Ansicht nach zu einer schlüssigen Gesamtperspektive unserer Einheit mit der Natur führen werden. Dabei geht es nicht etwa um eine Übernahme der Geistes- durch die Naturwissenschaften, sondern um eine echte Fusion der beiden, gestützt auf die Formulierung von Grundbegriffen wie Sinn und Ganzheit in natürlichen und kulturellen Entwicklungen, und mit Konsequenzen für wissenschaftliche Ergebnisse, ihre technischen Anwendungen und ihre Ausdrucksformen in den Künsten.“
Dass es kein Zurück zur Natur gibt, hat nicht erst das Zukunftsinstitut Frankfurt festgestellt. Wir finden dazu viele Äußerungen in der Philosophiegeschichte, in jüngerer Zeit bei Vertretern der Frankfurter Schule unter dem Stichwort der „Pseudonatur“. Da wird dann der Ruf nach unberührter Natur zur romantischen Ideologie.
Dass es kein Zurück zu unberührter Kultur gibt, stellen wir in jüngster Zeit in einer erschreckenden und uns alle einholenden und überholenden Weise fest. Tribale, regionale, nationale Kulturen – alle sind voneinander abhängig und aufeinander bezogen und angewiesen in einer sich rasant globalisierenden Welt. Massentourismus und internationale Wirtschaft, politische Machtkämpfe und Kriege tun ein Übriges. Ein Virus verbindet so alle Menschen und Kulturen. Besonders Vertreter und Vertreterinnen der Ärzte ohne Grenzen haben in jüngster Zeit immer wieder daran erinnert.
Niemand ist eine Insel…
Allein vor diesem Hintergrund ist es ein bisher viel zu wenig beachtetes Muss, die Aufeinanderbezogenheit von Natur und Kultur zu bedenken und kreativ zu „nutzen“.

„Wenn man Spezies als Kulturen begreift, die hier auf der Erde eine 3,7 Milliarden Jahre lange adaptive Evolution durchlaufen haben, so wird klar, dass sich darin Wissen und Erfahrung im Umgang mit dem Leben abgelagert haben, von denen die menschliche Kultur dringend lernen müsste. Das ist eine Quelle tiefer Lebensweisheit über die Kooperation mit anderen, über den sparsamen Umgang mit Energien und Rohstoffen, über durchgängige Wiederverwertung, über die Gestaltung zugleich funktionaler und schöner Formen sowie über einen stetigen Strom der Innovation und der Kreativität. Damit können wir jetzt an einer holistischen, mit den Künsten und den Geisteswissenschaften vereinten Naturwissenschaft arbeiten, die sich sowohl auf eine naturalistische Ethik als auch auf die Verbindung von Qualität und Quantität stützt.[….] Das Ziel besteht darin, die menschliche Kultur genauso gut auf natürliche Prozesse abzustimmen, wie es die anderen Lebewesen tun, um den Planeten nicht zu verderben, sondern zu verbessern. Das setzt voraus, Evolution neu zu denken als innere Instanz, die in den Lebenszyklen verschiedener Spezies als natürliche Kulturen verstanden Sinn verkörpert.
Verbindung von Biologie und Kultur mit physikalischen Prinzipien wird zwar eine große Herausforderung sein, es gibt jedoch schon Hinweise, wie sie gelingen könnte. Zum Beispiel haben die selbstähnlichen fraktalen Muster, die sich bei Phasenübergängen in physikalischen Systemen bilden, wenn neue Ordnung entsteht, ähnliche Merkmale wie jene Muster, die man bei den an der Erschaffung von Ordnung und Sinn beteiligten organismischen und kulturellen Netzwerken beobachtet. Das Bild eines sinnvollen, einheitlichen, schöpferischen kosmischen Geschehens könnte somit den sinnlosen mechanischen Kosmos ersetzen, der die szientifische Kultur des Westens in den letzten Jahrhunderten beherrscht hat.“

Es ist vor dem Hintergrund dieser faszinierenden und hoffnungsvollen Einsichten an der Zeit, dass wir im Guten unsere Kräfte bündeln, voneinander lernen und einander zu begreifen versuchen – quer durch alle Disziplinen – die Theologen und die Künstlerinnen, die Philosophinnen und die Naturwissenschaftler, Politiker und Wirtschaftsexperten, Besitzer und Habenichtse, Starke und Schwache, Gläubige und Skeptikerinnen. Wir könnten diese Krise als Chance des Neuanfangs begreifen.

Für den Freitagabend dieser Woche und das Wochenende (und auch noch, wenn die Sendung Euch/Sie später erreicht)
Findet Ihr/finden Sie das aus dem HomePainting und HomeWriting im Burgenland und unter Leitung von Ilse Hirschmann entstandene gemeinsame Kunstwerk als Videoclip
Film unter:

Nicht auf der Erde lasten – HomePainting und HomeWriting

Und bei Neugier auf das Europahaus Burgenland surfen Sie/surft ruhig ein wenig auf den schönen und vielfältigen Seiten (das Gartenprojekt etwa ist eine kleine Besonderheit, ebenso wie der Artikel von Wolfgang Zumdick zum Tag der Poesie im März)

Pn. Dr. Sybille C. Fritsch-Oppermann

Beauftragte für Tourismus, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit

in der Region Oberharz

KK Harzer Land/LK Hannovers