Freiheit und Würde: Zuspruch und Anspruch

Für mich ist Freiheit ein hohes, vielleicht sogar das höchste Gut im Leben. Meine Freunde sagen, ich sei
eine Liberale. Einige meinen das bewundernd, viele kritisch. Ich mag mir eine Welt jedenfalls nicht vorstellen, in der wir
mehr und mehr unserer Bürger- und Bürgerinnenrechte beraubt werden, in der Politik nicht dafür sorgt, dass wir uns in möglichst großer Freiheit entfalten können und stattdessen übergriffig diktiert, was gut für uns sei. Die Menschenwürde, das höchste und unveräußerliche Gut unseres
Grundgesetzes, nach der sich alle anderen Grund- und Freiheitsrechte auszurichten haben, besteht für mich darin, mich selbst entwerfen und verwirklichen zu können. Und da ich Bürgerin zweier Reiche bzw. zweier Regimenter bin, ist dieser Selbstentwurf immer auch getragen
von der Gnade Gottes und ist die Selbst-Verwirklichung immer Zuspruch und Anspruch. Eben so wenig wie ich mir vorstellen kann in einem Land, in einer Welt zu leben, in der Politiker (ob gewählt oder selbst ernannt) das Denken und Urteilen für mich übernehmen, kann ich mir vorstellen, meine Freiheit auf Kosten anderer zu genießen, meine Verwirklichung anders als im Namen Gottes und seiner Schöpfung und damit auch meiner Nächsten zu betreiben. So ist und bleibt mir Freiheit Zuspruch und Anspruch. Und Nachfolge bleibt für mich immer auch Nachfolge unter das Kreuz im Namen der Würde und Freiheit aller.
Das finden meine Freunde und meine Feinde oft ein bisschen zu dialektisch – sagen sie. Eine intellektuelle Spielerei. Ich hoffe aber und wünsche, dass mir dies Anliegen stets heiliger Ernst bleiben möge. Ein ernsthafter Einsatz, der viel mit Zum Reformationstag 2020 Freiheit und Würde: Zuspruch und Anspruch der Suche nach Wahrheit und Schönheit zu tun hat. Eine Kunst zu leben – in Gemeinschaft und doch ganz für mich und ganz für Gott. Ein Plädoyer für die Einheit in der Verschiedenheit und für die situative Übernahme von Verantwortung viel eher als das Meißeln von Moral in ideologischen Stein. Ich möchte das Leben lieben, weil Gott es mir schenkt in unendlicher Liebe und Sehnsucht. Der Reformationstag, der neue alte
Feiertag in Niedersachsen fällt auf einen Sonnabend. Und der Wochenspruch für den folgenden Sonntag fasst es noch einmal so zusammen:
„Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1. Korinther 3, 11)

Pn. Dr. Sybille C. Fritsch-Oppermann
Beauftragte für Tourismus, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit
in der Region Oberharz,
KK Harzer Land/LK Hannovers